Alpenverein Burghausen

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2015 - Spitzstein Winterwanderung

Spuren im Schnee – Wintererlebnistag am 17. Januar 2015
- 7 Unentwegte finden Wege im Schnee -

„War´st Du schon draußen?“ ertönt die Stimme einer besorgten Mutter um 6.30 Uhr morgens am Telefon. Schon im Schlafzimmer hatte ich die Regentropfen auf mein Dachflächenfenster prasseln hören. „Wir fahren trotzdem“ lautet meine kompromisslose Antwort und hoffe darauf, dass der Regen bergwärts in Schnee übergeht. Um 7.10 Uhr laden wir die Schneeschuhe und Rucksäcke bei strömenden Regen in das Transportfahrzeug. Auch in Aschau und am Zielort Sachrang regnet es noch. Nur ab und zu ein paar Tupfer, die auf Schneeregen hindeuten könnten. Wir fahren noch 40 Höhenmeter und parken und hier ist der Regen tatsächlich doch dem Schnee gewichen!

Piepskontrolle – Sönke übernimmt. Klaus voraus, Franzi hinten geht es auf dem Sommerweg über die Mesneralm (1098 m) höher. Dort kann man schon fast von einer durchgehenden Schneedecke sprechen. Noch 30 Minuten bis zum Spitzsteinhaus steht auf einem Hinweisschild. Doch nun heißt es aufpassen. Nur noch vereinzelte Spuren und Markierungen weisen darauf hin, wo der Weg ist. Die Teilnehmer suchen, verlieren und finden den Weg immer wieder. Auf die Spuren kann man sich nur bedingt verlassen. Inzwischen haben wir die Schneeschuhe angelegt. Der lichter werdende Wald weißt uns darauf hin, dass wir in den Bereich des Hochalmgeländes kommen. Noch ein Steilstück, der den Schneeschuhneulingen einiges abverlangt. „Steighilfen rein und möglichst direkt ansteigen“ und „entweder mit den Frontzacken antreten“ oder „Schneeschuh vor und Gewicht auf die Ferse“, das sind die Tipps, die an die Teilnehmer weitergeben werden. Es klappt nur bedingt, doch mit vereinten Kräften wird mit oder ohne Schneeschuh die Schlüsselstelle überwunden. Nun ist auch schon die Hütte in Sicht, zumindest gefühlt, denn der nun starke Wind und das Schneetreiben lassen die Hütte nur erahnen. Der Gedanke, noch auf den Gipfel zu gehen, wird witterungsbedingt verworfen und die Teilnehmer streben auf direktem Weg der Hütte entgegen. Wie Klaus es geschafft hat, als letzter die Steilstelle zu verlassen und als erster die Hütte zu betreten, bleibt sein Geheimnis. Irgendwas von Idealspur anstatt Diretissima steht im Raum.

In der Hütte knistert das Feuer im Kachelofen. Wir sind die einzigen Gäste und werden von der Hüttenwirtin vorsorglich versorgt. Heiße Schokolade und duftender Kaffee oder heiße Suppe erwärmen die Glieder und erheitern die Gemüter. Eine alte Gitarre wird aktiviert. Nach einigen Fehlversuchen von J. (Name wird nicht genannt) übernimmt Franzi. „Atemlos“ klingt es durch die Hütte. Als wir wieder bei Atem sind geht es die Abfahrtsroute hinunter. Wettrennen (oder –stürzen) werden von Etappe zu Etappe veranstaltet und lassen den Abstieg kurzweilig werden. Quer fliegende Schneeflocken von 10 cm Durchmesser geben Rätsel auf und enden in einer Schneeballschlacht. Diese wird erst beendet, als ein mit Alu beschichtetes Sitzkissen aus Klaus´ Rucksack auftaucht. Mit Hurra geht es mit und ohne Sitzkissen arschlings, bäuchlings oder kugelnd den Hang hinunter. – Ein echter Lawinenhang, aber eher Menschen- als Schneelawinen. Als der Hang durchfurcht ist, geht es zurück zum Auto. Kaum sind die Materialien verstaut, beginnt es wieder zu regnen. Aber das stört nun niemanden mehr sondern gibt uns die Gewissheit, einem tristen Sauwettertag entgangen zu sein… Der nächste Wintererlebnistag kann kommen.

KGH