Alpenverein Burghausen

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Via Aqua

Via Aqua, 24 Seillängen, 7-

Kleine Halt (Wilder Kaiser)

In einer gewohnt spontanen Aktion fuhren Thomas und ich (Simon) am 9. September nach Kufstein. Unser Ziel war die Via Aqua an der Kleinen Halt im Wilden Kaiser, die mit 1000 Klettermetern und einer homogenen Schwierigkeit (Großteil 5-6, zwei Seilllängen 7-) Thomas' Aufmerksamkeit im „Longlines“-Kletterführer erweckt hatte. Es hat den Anschein, dass er die aus seiner Sicht hohe Anzahl an noch nicht von ihm gekletterten Routen dieses Führers als persönliche Beleidigung empfindet und sie schnellstmöglich zu minimieren sucht.

Wir verbrachten die Nacht nach dem Genuss gewisser schlaffördernder Getränke komfortabel im Hotel 1000 Sterne und stiegen bald nach Tagesanbruch in die Route ein. Wegen des für Nachmittag vorhergesagten Gewitters waren wir allein in der Via Aqua, nur noch eine Seilschaft kämpfte sich nebenan gleichzeitig durch die Plattendirettissima. Fast die gesamte Tour über waren wir in der schattigen Nordwestwand gut vor der Sonne geschützt, die trotz Wetterbericht nicht aufhören wollte zu scheinen.

In der ersten Hälfte der Wand trafen wir auf die meisten 6er und eine der 7- Schlüsselstellen. Zwischen Platten und einigen steileren Passagen im „ersten Hufeisen“ und drei Dachriegeln kamen wir nicht ohne den ein oder anderen Schweißtropfen durch. In den folgenden sechs Seillängen kletterten wir dagegen in herrlichen wasserzerfressenen Platten in einem schwungvollen Fluss durchgehend im 5. Grad dahin. Dieser Abschnitt ist sicher ein großes Highlight dieser Tour!

Die zweite Schlüsselstelle in der 19. Seillänge forderte dagegen noch einmal alle Konzentration, um sich an den unscheinbaren Leisten und Auflegern über die Schlüsselstelle zu drücken.

 

 

Nach 24 Seillängen erreichten wir den Gipfel der Kleinen Halt nach acht Stunden durchgehend sehr schöner Kletterei in wasserzerfressenem Fels. Die Angst vor dem Gewitter war unbegründet, auch im Abstieg blieben wir davor verschont.

Fazit: Erstens - nächstes Mal geht’s mit dem Mountainbike durchs langgezogene Kaisertal. Der Hatschcharakter des Zu- und Abstiegs wird dadurch annulliert. Zweitens – vertraut man bestimmten Wetterberichten, wird einem ein Sommer voll schönster Kletterei entgehen. Drittens – es sind noch so viele Routen übrig in Thomas' Longlines-Buch...